Freitag, 23. Dezember

 

 

Märchen und Bräuche / 
 

Geister und Götter

 

Vor allem in ländlichen Regionen achtete man in früherer Zeit darauf, die Rauhnachtsbräuche einzuhalten, die von Dorf zu Dorf und natürlich erst recht von Land zu Land sehr unterschiedlich waren...

 

Eines haben diese alten Bräuche jedoch immer gemeinsam:

Seit Urzeiten dienen sie vor allem dem Zweck,

böse Geister fernzuhalten.

 

So sollte man zum Beispiel in der Rauhnachtzeit vor dem Haus keine Wäscheleinen aufspannen und schon gar keine Wäsche aufhängen, damit sich umherziehende Geister nicht womöglich in der Leine oder der Wäsche verfangen und Unglück über die Hausbewohner bringen können. Auch versuchte man, mit viel Lärm die "dunklen Mächte" fernzuhalten. Das Böllern an Silvester und die in vielen ländlichen Regionen durchgeführten Perchtenumzüge mit ihren stampfenden, peitschenden und trommelnden Gestalten zeugen noch heute davon.

Dann wiederum gab es Bräuche, bei denen es eher darum ging, die schützenden, guten Geister wie Hausgeister oder die Seelen der Verstorbenen gütig zu stimmen.

 

Während draußen Lärm herrschte, fanden sich die Menschen drinnen in den Häusern zusammen - es wurde geräuchert, gebetet und meditiert, um sich auf diese Weise vor schädlichen Energien und Einflüssen zu schützen. 

Die guten Geister:

 

Hausgeister

Man sagt, dass die Geister von Orten und Häusern in den Rauhnächten sehr aktiv sind. Früher legte man ihnen Dankesgaben auf den Dachboden, in den Garten, vor's Fenster oder vor die Tür, um sie zu ehren, sie gütig zu stimmen und ihren Segen zu erhalten. Diese "Opfergaben" waren in der Regel etwas Brot, Linsen, Erbsen, Bohnen, Grütze, Lebkuchen, Körner, ein Schälchen Milch - und von Odin erzählt man sich, dass er sich auch sehr freut über etwas Tabak und ein gutes Schnäpsle :-)...

 

Fruchtbarkeitsgeister

Fruchtbarkeitsgeister ziehen in Ziegen- oder Bocksgestalt mit lautem Gelächter trinkend und feiernd durch die Lande, um die Samen, Körner und Säfte der Natur zu erwecken.

 

Engel, Schutzengel und Erzengel

Die Engel sind uns in der Weihnachts- und Rauhnachtszeit ganz besonders nah, um uns bei der Umkehr / der Wende zu helfen. Eine gute Zeit also, um ganz bewusst mit ihnen in Kontakt zu treten.

 

Meister und Meisterinnen

Sie sind aufgestiegene Lichtwesen, die den irdischen Weg vor uns Menschen gegangen sind und uns auf unserem persönlichen Weg anleiten und unterstützen können.

 

Göttinnen und Götter

Es heißt, dass uns besonders in den Rauhnächten sozusagen

der ganze Götterhimmel offen steht: Odin, Freya, Apollo, Frau Holle, die Percht und viele andere Lichtwesen wurden früher in dieser Zeit an ihren heiligen Stätten aufgesucht und um Rat und Hilfe gebeten.

 

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Was für dich wichtig ist...
Wenn du dich mit den Rauhnächten beschäftigst, ist dir auf jeden Fall bewusst, dass es etwas (nennen wir es jetzt einfach einmal "eine höhere Macht" ) gibt, was wir mit unserem manchmal recht mickrigen menschlichen Verstand vielleicht nicht wirklich begreifen können - und doch spüren wir ganz genau, dass es dieses "Etwas" gibt...

Ob du es nun als Gott, als Geistwesen, als höhere Führung, Engel oder was auch immer bezeichnen magst - wichtig ist auch hier, dass du dir deinen eigenen Zugang suchst - wie auch immer dieser aussehen mag. Für DICH ganz allein sollte es stimmig sein...

 

Sagen und Märchen 

 

In einer Zeit (und das liegt gar nicht soooo arg lange zurück...), als es weder Zeitungen, Radio, Fernsehen - und überhaupt schon mal gar kein Internet gab, waren Sagen und Märchen natürlich eine gute Unterhaltung - jedoch auch eine gute Quelle für Wissen und nicht zuletzt auch Einsicht. Sie erzählten von Leben und Tod, Leiden und Erlösung, Licht und Dunkel - es gab schaurige und blutrünstige, aber wiederum auch heitere und solche, die den Menschen große Hoffnung machen. 


So unterschiedlich der Inhalt auch war:
Es gab immer einen wahren Kern

oder eine Lebensweisheit zu entdecken.

 

Märchen zuzuhören ist auch heute noch wie Meditation und sie können für uns zu einer richtigen (und wichtigen) spirituellen Reise in die Anderswelt werden.
Wenn wir bereit sind, uns auf sie einzulassen, können sie uns in der Seele berühren und zu großen BewusstSeins-Prozessen führen...

 

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Gerade in einer Zeit, in der uns die Technisierung nur so um die Ohren fliegt und es Tag für Tag hauptsächlich nur um "Zahlen / Daten / Fakten" geht, ist es enorm wichtig, dass wir es zulassen, dass unsere Fantasie wieder angeregt wird - unsere kindliche Neugier und unsere Fähigkeit, zu träumen und zu staunen.

 

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Eine Erzählung, die besonders mit den Rauhnächten in Verbindung gebracht wird, ist das Märchen von "Frau Holle"...

 

Frau Holle und die Wilde Jagd

Frau Holle (auch Hella, Hulla oder Hulda genannt), zog mit ihrem unheimlichen Gefolge durch die Nächte. Mit neun Kinderseelen, einer Schar Hexen, Druiden und allerlei Naturgeistern wie Elben und Gnomen jagte sie über den Himmel. 

So hat sich im Volksglauben lange die Überlieferung gehalten, dass man des Todes sei, wenn man nach dem Abendläuten noch einmal vor die Tür geht, weil man dann der "Wilden Jagd" begegnen würde.

Zur Weihnachtszeit herrschte Frau Holle über Tod und Ende des Winters.
Als
"dreigestaltige Große Göttin" repräsentierte sie sich in ihrem heiligen Baum, dem Holunder. Die Farben Weiß, Rot und Schwarz (Blüte, unreife und reife Früchte) stehen für die die Phasen des Weiblichen: für Jungfrau, Mutter und alte Weise.

Zur Zeit der "Wilden Jagd" gebietet Frau Holle uns, innezuhalten und uns aus dem äußeren Leben zurückzuziehen:

zum Ruhen und um Rückschau zu halten, Altes abzuschließen und unseren Träumen und Visionen Raum zu geben,

damit wir uns bereit machen für neue Wege und Ziele.

Wenn wir diese Gebote befolgen, dürfen wir uns der Unterstützung
von Frau Holle sicher sein - so lautet ihr Versprechen...

Märchenzeit

Viele Rauhnachtsbräuche stammen noch aus einer Zeit, wo es für Menschen nichts wirklich Ungewöhnliches war, mit Geistwesen, Hexen, verstorbenen Seelen und Naturgeistern zu kommunizieren. Durch die enge Verbindung zu den Kräften der Natur war man viel eher bereit anzuerkennen, dass es außer der für uns sichtbaren vielleicht doch noch eine unsichtbare Welt gibt.

Sei bereit, wieder an Wunder zu glauben,
dann wirst du dich vielleicht ganz schön wundern,

über wie viele Wunder du dich täglich wundern kannst...

In diesem Sinne wünsche ich dir einen märchen-haften Tag!